«Wir möchten dabei sein, wenn es darum geht, die Forschung in die Zukunft zu entwickeln»

Die WEMF trägt ihrer Stellung als Joint Industry Committee (JIC) im Medien- und Werbemarkt zusätzlich Rechnung. An der ordentlichen Generalversammlung vom Dienstag, 9. Juni 2020, haben ihre Aktionäre beschlossen, den Verwaltungsrat um einen Sitz zu erweitern und mit Beat Krebs neu auch einen Vertreter der Mediaagenturen in das Führungsgremium aufzunehmen. Der Delegierte des Verbands Leading Swiss Agencies (LSA) und Managing Director bei OMD Schweiz erklärt Mike Weber, WEMF Director of Marketing and Sales, im Interview, wieso er keine Sekunde gezögert hat, das Mandat anzunehmen, welche Impulse er im Verwaltungsrat einzubringen gedenkt und welche konkreten Forderungen er seitens der Agenturen an die heutige und die zukünftige WEMF stellt.

Herr Krebs, herzliche Gratulation zur einstimmigen Wahl in den Verwaltungsrat der WEMF! Gerne möchten wir Ihnen etwas auf den Zahn fühlen. Wie sind Sie zu diesem neuen VR-Mandat gekommen?

In der Zeit, als es um eine Nachfolgelösung eines Printplanungs-Tools ging, hat sich der LSA mit der WEMF intensiv ausgetauscht, um eine Lösung zu finden. Währenddessen hat die WEMF bei mir angefragt, ob ich als Vertreter des LSA die Interessen der Mediaagenturen im VR der WEMF vertreten möchte.

Und wie viel Bedenkzeit benötigten Sie für Ihre Zusage?

Ich habe sofort zugesagt, da es so einfacher und unkomplizierter ist, sich auszutauschen. Zudem kann man frühzeitig darauf aufmerksam machen, welche Themen und Aspekte für die Agenturen wichtig sind.

Wie bringen Sie – neben Ihrem Job als Managing Director der OMD Schweiz AG, dem Amt als Vizepräsident des LSA und Stiftungsrat bei Mediapulse – zeitlich auch noch dieses Engagement unter einen Hut?

Unsere Agenturgruppe ermöglicht uns, sich für die Branche einzusetzen und zu engagieren. Ich sehe es auch als einen Teil meiner Aufgabe, sich mit der Forschung und den Entwicklungen im Markt auseinanderzusetzen. Wenn wir frühzeitig eingebunden werden, um Probleme zu lösen, wird sich der Aufwand auf beiden Seiten reduzieren, und davon profitieren alle.

Welche Rolle spielt der LSA im VR der WEMF als zweiter Vertreter aus dem Werbemarkt (neben dem SWA) gegenüber dem VSM, der mehrere Vertreter stellt?

Wir arbeiten sehr viel und sehr gut mit dem SWA zusammen, und es gibt sicherlich Punkte, die sich überschneiden. Die Agenturen sind aber als tägliche Anwender der Tools und der Zahlen von der WEMF stärker im Daily Business involviert und werden so auch mit anderen Problemen konfrontiert als die Werbeauftraggeber.

Ihre VR-Kollegen sind Ihnen alle seit Jahren bestens bekannt. Man kennt und schätzt sich. Wie versuchen Sie der Falle des gegenseitigen Schulterklopfens zu entgehen?

Es ist richtig, dass ich einige der Kollegen schon seit Jahren kenne und auch schätzen gelernt habe. Sich kennen und schätzen heisst aber nicht, dass man dieselbe Meinung vertritt. Ich bin als Agenturvertreter in den VR gewählt worden und werde auch die Meinungen und Forderungen der Agenturen vertreten.

Welche konkreten Forderungen stellen Sie seitens der Mediaagenturen an die WEMF?

Unser Hauptanliegen ist, dass wir verlässliche und unabhängige Daten für die Mediaplanung erhalten. Das hört sich trivial an, ist es aber nicht. Zudem möchten wir mit dabei sein, wenn es darum geht, die Forschung in die Zukunft zu entwickeln. Wir werden zukünftig noch stärker die gesamte Consumer Journey in unsere Überlegungen einbeziehen. Das bedeutet auch, dass wir die Daten miteinander verknüpfen können, um so ein umfassendes Bild der Zielgruppe zu erhalten, damit wir diese zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Botschaften ansprechen können.

Viele Geschäftsmodelle – gerade in der Medienindustrie – stehen aufgrund der rasant voranschreitenden Digitalisierung auf dem Prüfstand. Wo erkennen Sie Chancen für die WEMF als Joint Industry Committee, sich hier für die Zukunft erfolgversprechend aufzustellen?

Das ist korrekt und die COVID-19-Krise hat dies sicherlich noch akzentuiert. Auf der anderen Seite werden Daten immer wichtiger. Ein wichtiger Schritt wird aus meiner Sicht sein, diese Daten miteinander zu verbinden, um die gesamte Consumer Journey abbilden zu können. So wird man hoffentlich schon bald die digitale mit der realen Welt verknüpfen können. Mit solchen Möglichkeiten können wir die Kampagnen viel besser abstimmen und Überschneidungen vermeiden oder zumindest vermindern. Noch etwas weiter in die Zukunft gedacht, könnte ich mir vorstellen, dass es auch im Print die Möglichkeit geben wird, Anzeigen auf Zielgruppen auszuspielen. Dafür werden selbstverständlich verlässliche Daten benötigt.

Die WEMF hat mit dem in diesem Jahr einmalig gewährten COVID-19-Rabatt in der Höhe von 33 Prozent in erster Linie diejenigen Kunden entlastet, die mit ihren Teilnahmebeiträgen für ihre einzelnen Medienangebote die WEMF-Gross-Studien und die Auflagebeglaubigung mehrheitlich finanzieren. Was bei den Mediaagenturen nicht nur auf Verständnis gestossen ist. Können Sie diesen VR-Entscheid mit gutem Gewissen gegenüber Ihrer Branche vertreten?

Das ist so nicht ganz korrekt. Es gab meines Wissens keine Stimme von der Agenturseite, welche diesen Entscheid hinterfragt hat. Wir haben als LSA angefragt, ob auch die Agenturen, welche für die Daten bezahlen, von einem Rabatt profitieren können.

Die OMD steht bekanntlich für «Better decisions, faster». Welche strategischen Impulse möchten Sie im VR der WEMF einbringen?

Das Motto ist abgeleitet von «Learn faster, act faster». Um bessere Entscheidungen schneller treffen zu können, ist es wichtig, dass man die richtigen Daten zur Verfügung hat und diese richtig interpretiert. Ich werde mich im VR dafür einsetzen, dass wir eine solide Datengrundlage haben, um unsere Kampagnen damit besser planen zu können.

Herzlichen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch.

Media-Scout
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