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Vor 333 Tagen

«In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, welche besondere Rolle die WEMF im Markt spielt»

Im Januar 2023 hat Dr. Jella Hoffmann die Geschäftsführung der WEMF als neue CEO übernommen. Marco Bernasconi, der die Forschungsorganisation seit 2007 geleitet hatte, übernahm die Rolle des stellvertretenden Geschäftsführers, die er bis Frühling 2024 innehaben wird. Im Interview mit Sandra Heidelberger, Director of Corporate Communications, sprechen beide über persönliche Highlights, prägende Herausforderungen und ihre Zukunftspläne.

Marco, du warst 15 Jahre CEO der WEMF. Welche waren für dich die Highlights in dieser Zeit?

Prägend waren für mich sicher die Beteiligung an Intervista und die Akquisition der Firma Immediate. Das waren ausserordentliche Projekte mit gewaltigen Investitionen für die WEMF, die als Währungs­institution sehr viel Wert auf Sicherheit legt. Ich bin dankbar, dass uns der Verwaltungsrat in dieser Zeit immer voll unterstützt hat, damit wir diese Projekte erfolgreich verwirklichen konnten. Es gab noch viele andere Highlights. Das Tool NEXT>LEVEL ist ein weiteres Beispiel. Normalerweise hat ein JIC (Joint Industry Committee) kein eigenes Auswertungstool. Wir konnten ein solches entwickeln und dem Markt und unserer Kundschaft zur Verfügung stellen. Auch die Bereiche Product Consulting und Ad-hoc Research konnten wir als neue Geschäftsfelder etablieren und ausbauen.  


Jella, was war für dich bisher der prägendste Moment bei der WEMF?

Ich bin jetzt schon seit über zehn Jahren bei der WEMF und es gab viele interessante und wichtige Ereignisse. Für mich war es ausserordentlich, wie die WEMF die COVID-Phase gemeistert hat. Wir haben in kürzester Zeit ins Homeoffice gewechselt. Die Technik hat super funktioniert und wir konnten auch in dieser schwierigen Zeit kontinuierlich und fehlerfrei publizieren. Das war nicht selbstverständ­lich, denn die Pandemie hat auch die Forschung beeinflusst. Zudem konnte die WEMF die Kundschaft der MACH-Studien in dieser Zeit mit einem Preisnachlass von 33 % unterstützen, was kein rein gewinnorientiertes Unternehmen jemals gemacht hätte. In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, welche besondere Rolle die WEMF im Markt spielt.


Wie bei jeder Unternehmung gibt es nicht nur Highlights, sondern auch schwierige Situationen, die ein CEO meistern muss. Marco, kannst du ein Beispiel nennen?

Für mich war zum Beispiel das Scheitern des Swiss Media Data Hub prägend. Wenn viel Zeit und Energie in ein neues Projekt gesteckt werden, das dann nicht zum Fliegen kommt, tut das weh. Ich muss aber dazu sagen, dass die anderen Projekte und Aufgaben der WEMF nicht darunter gelitten haben.


Was hat dich in solchen Zeiten persönlich gestärkt?

Einerseits konnte ich mich immer auf die Mitarbeitenden der WEMF verlassen, die einen fantastischen Job machen. Andererseits hat es geholfen, dass ich meine Ziele – auch nach Rückschlägen oder Verzögerungen – stets konsequent und hartnäckig verfolge.


Jella, was ist dein Geheimrezept für das Bewältigen von schwierigen Situationen?

Ich gehe schwierige Situationen gerne analytisch an, suche alle Fakten zusammen und konsultiere Expertinnen und Experten. Im Umgang mit der Kundschaft hilft es, einen Perspektivenwechsel zu machen, um besser zu verstehen, warum das Gegenüber anderer Meinung ist. So können oft die besten Lösungen gefunden werden. Zudem bin ich ein positiv denkender Mensch und kann meistens etwas Gutes aus einer schwierigen Situation mitnehmen. Schlussendlich kann man aus jeder Situation etwas lernen.


Die WEMF ist ein sehr etabliertes Forschungsunternehmen. Wie kann diese hohe Akzeptanz im Markt weiterhin gestärkt werden?

Jella: Die WEMF steht für Qualität, Verlässlichkeit und Relevanz. In einem Marktumfeld, das sich immer schneller und dynamischer entwickelt, liefert sie auch weiterhin die Zahlen und Dienstleistun­gen, die der Markt braucht. Das ist elementar, um die Akzeptanz und das Vertrauen in die WEMF zu bewahren.

Marco: Dass sich das Marktumfeld drastisch verändert, ist stark spürbar. Es findet ein Umbruch statt. Die nächste Zeit wird eine Herausforderung für alle Beteiligten. Aber die WEMF hat die Weichen gut gestellt, zum Beispiel indem sie neue Business-Modelle anstrebt, Stichwort Agency.OS.

Jella: Genau, wir haben Kompetenzen und Produkte, die in der Schweiz einzigartig sind und der ganzen Branche dienen. Zudem gibt es Potenzial für weitere Produkte, die mit der klassischen Währungsforschung weniger zu tun haben und trotzdem eine gewisse Vergleichbarkeit im Markt und eine verlässliche Entscheidungsgrundlage liefern können.


Welche Neuerungen stehen denn als nächstes auf dem Plan, Jella?

In diesem Jahr ist sicher die Publikation der neuen MACH Total Audience ein Highlight. Die Studie verbindet Print- und Onlinereichweiten und wurde mit einem aktualisierten Studiendesign neu aufgesetzt. In der MACH Consumer werden zusätzliche Konsummerkmale integriert und auch die MACH Strategy wird weiter ausgebaut. Zudem arbeiten wir mittelfristig an neuen Produkten und Angeboten, die unsere Forschungsdaten in einer Art und Weise einsetzen, wie wir es bisher noch nie gemacht haben. Man darf also gespannt sein.


Auch Agency.OS ist ein grosses Projekt, das dieses Jahr lanciert wird. Marco, du hast es von Anfang an eng begleitet. Wie hast du die Projektphase erlebt?

Es ist ein spannendes Projekt und ich bin überzeugt, dass das Tool ein Erfolg wird. Für ein IT-Projekt dieser Grösse und Komplexität lief alles extrem gut. Auch die Stimmung bei den Projektmitarbeitenden war positiv und konstruktiv, was mir sehr gefallen hat. Die Einführung des Tools bei den Mediaagen­turen wird ein grosser «Hosenlupf», denn es ist nicht einfach, ein neues System zu implementieren. Wir werden die Agenturen dabei so umfassend wie möglich unterstützen.


Jella, was ist deine Einschätzung zum neuen Tool?

Auch ich finde das neue Tool super – es bietet einen echten Mehrwert. Mit Agency.OS haben wir uns zum ersten Mal ausserhalb unserer Komfortzone bewegt und mit einer Toolentwicklung «from scratch» einen mutigen Schritt gewagt. Wir konnten aber von den Erfahrungen aus unserem Kern­geschäft profitieren, denn als JIC sind wir es gewohnt, kundenorientiert zu arbeiten und unsere Arbeit transparent zu machen. Darum haben wir die Agenturen früh einbezogen und Feedbacks direkt entsprechend umgesetzt.


Marco, hast du deine Visionen in deiner Zeit als CEO bei der WEMF erfüllen können?

Ja, ich bin sehr zufrieden. Die WEMF ist bezüglich Finanzen und Produkten gut aufgestellt und als KMU sind wir höchst professionell und absolut «State of the Art». Eines meiner Ziele war, kunden­freund­licher zu werden. Hier haben wir viel erreicht und wir konnten einen positiven Trend in Gang setzen. Ich werde mit einem sehr guten Gefühl gehen.

Jella: Dieser Trend ist heute gut spürbar. Wir bekommen viele positive Feedbacks und werden für unsere gute Erreichbarkeit, unsere Diskussionsbereitschaft und unsere Lösungsorientierung gelobt. Es ist stets unser Ziel, gemeinsam mit dem Markt zum besten Ergebnis zu kommen.


Marco, verrätst du uns deine privaten Pläne für die Zukunft?

Ich werde mehr Zeit in mein Hobby Fotografie investieren und meine Bilder vermehrt in Ausstellungen zeigen. Zudem habe ich vor, viel zu reisen und mich um meine drei Oldtimer zu kümmern. Auch ein Engagement in einer NGO könnte ich mir vorstellen. Ich freue mich darauf, meine Ressourcen zukünftig für diese Projekte einsetzen zu können.


Jella, was sind deine Zukunftspläne für die WEMF?

Ich darf von Marco eine Firma übernehmen, die gut aufgestellt ist und in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen hat. Das ist vielen Personen zu verdanken, vor allem aber Marco. Grundsätzlich sehe ich grosse Herausforderungen auf den Medien- und Werbemarkt zukommen, die auch die WEMF betreffen. Ich bin mir sicher, dass wir diese Herausforderungen meistern werden. Mir ist besonders wichtig, dass wir den Kundinnen und Datennutzern aufzeigen, wie sie noch mehr aus den Daten der WEMF herausholen können. Wir werden zudem auch weiterhin vermehrt Kooperationen mit anderen Forschungsorganisationen anstreben, so wie wir bereits schon mit Mediapulse und SPR+ zusammenarbeiten. Und ich sehe in unseren Daten und unseren Kompetenzen überdies noch grosses Potenzial für weitere Angebote, insbesondere auch für den digitalen Markt, für die Werbe­treibenden und im Bereich Tooling. Dieses Potenzial werden wir proaktiv nutzen. Immer mit dem Ziel, dass die WEMF auch in Zukunft die Daten und Produkte zur Verfügung stellt, die der Markt braucht – auch wenn diese deutlich anders aussehen werden als heute.


Vielen Dank für diese interessanten Ausführungen.